Was bedeutet Bildung für nachhaltige Entwicklung in einer Gesellschaft, die dauerhaft durch Migration geprägt ist? Welche Perspektiven auf Nachhaltigkeit werden sichtbar, wenn Fragen von Zugehörigkeit, Teilhabe und gesellschaftlicher Vielfalt stärker in den Blick rücken?
Diesen Fragen widmen sich Studierende im Seminar „BNE in der (Post-)Migrationsgesellschaft“ im Sommersemester 2026 an der Universität Bamberg. Ausgangspunkt ist die Annahme, dass Migration nicht als Randthema, sondern als konstitutiver Bestandteil gegenwärtiger Gesellschaften verstanden werden muss. Vor diesem Hintergrund werden Studierende anghalten, sich mit der Bedeutung postmigrantische Perspektiven für eine Bildung für nachhaltige Entwicklung haben und wie nachhaltigkeitsbezogene Bildungsprozesse unter Bedingungen gesellschaftlicher Vielfalt neu gedacht werden können.
Die Studierenden setzen sich mit historischen, politischen und bildungswissenschaftlichen Perspektiven auf Migration auseinander und diskutieren Fragen von Zugehörigkeit, Differenz, Ungleichheit und globaler Verantwortung. Dabei werden migrationspädagogische, postkoloniale und rassismuskritische Ansätze mit den Zielen und Spannungsfeldern einer Bildung für nachhaltige Entwicklung in Beziehung gesetzt. Im Zentrum steht die Frage, wie nachhaltige Entwicklung in einer von Diversität, Ungleichheit und globalen Verflechtungen geprägten Gesellschaft pädagogisch reflektiert und gestaltet werden kann.
Wie passiert das?
Das Seminarkonzept verbindet Perspektiven aus Theorie und Praxis. Im Verlauf des Semesters werden unterschiedliche Lernorte, Praxisperspektiven und fachliche Impulse einbezogen, um Fragen von Migration, Bildung und Nachhaltigkeit im konkreten gesellschaftlichen Kontext zu reflektieren:
Besuch der Ausstellung „Mitgenommen – Heimat in Dingen“
Am 27. Mai 2026 besucht die Seminargruppe die Ausstellung „Mitgenommen – Heimat in Dingen“ in der vhs Bamberg Stadt. Die Ausstellung setzt sich anhand persönlicher Gegenstände und Geschichten mit Vertreibung, Flucht und Neubeginn auseinander und eröffnet damit einen Zugang zu Fragen von Erinnerung, Heimat, Verlust und Ankommen. Für das Seminar bietet sie einen Anlass, historische und gegenwärtige Fluchterfahrungen in Beziehung zu setzen und nach ihrer Bedeutung für Bildungsprozesse in der Postmigrationsgesellschaft zu fragen.
Fachgespräch mit Rüveyda Keles bei Freund statt Fremd e.V.
Am 17. Juni 2026 besuchen die Studierenden eine lokale Integrationsstätte und interviewen Rüveyda Keles von Freund statt Fremd e.V. in Bamberg im Rahmen eines Fachgesprächs. Im Mittelpunkt stehen Migration, Integration und Bildung in Bamberg sowie Fragen zur Entstehung und Arbeit des Vereins, zu strukturellen Rahmenbedingungen und zu aktuellen Herausforderungen in der lokalen Bildungs- und Integrationsarbeit.
Webinar: „Postmigrantische Perspektiven auf Bildung für nachhaltige Entwicklung“ mit Paulino José Miguel, Eine-Welt Fachpromotor für Migrantisches Engagement; Träger des Bundesverdienstkreuzes
Am 01.07.2026 diskutieren die Studierenden mit Paulino Miguele, langjähriger Akteur an der Schnittstelle von Migration, Entwicklungspolitik und Bildungsarbeit über Perspektiven migrantischer Akteure, die in Debatten um nachhaltige Entwicklung häufig noch zu wenig sichtbar sind.
Das Webinar stellt Fragen nach der Rolle migrantischer und diasporischer Akteur*innen in nachhaltigkeitsbezogener Bildungsarbeit sowie nach ihren Erfahrungen, Kompetenzen und Herausforderungen im gesellschaftlichen Engagement in den Mittelpunkt. Ausgehend von biografischen Einblicken werden Themen wie gesellschaftliche Transformation, globale Verantwortung, Teilhabe und Sichtbarkeit migrantischen Engagements diskutiert. Darüber hinaus eröffnet der Austausch Einblicke in die Praxis der entwicklungspolitischen Bildungsarbeit und in die Bedeutung von Vernetzung und zivilgesellschaftlichem Engagement.
Im anschließenden Gespräch gibt es die Möglichkeit, gemeinsam zu reflektieren, welche Beiträge migrantische Perspektiven für Bildung für nachhaltige Entwicklung leisten können und welche Herausforderungen mit ihrer stärkeren Einbindung in Bildungs- und Transformationsprozesse verbunden sind.
Die Veranstaltung ist offen für die interessierte Fachöffentlichkeit. Teilnahme online möglich, Anmeldung und Zugangsdaten kurze Mail an: ewbne@uni-bamberg.de
Zum Weiterlesen
Für Leser*innen, die sich vertiefend mit Bildung für nachhaltige Entwicklung, Migration und postmigrantischen Perspektiven beschäftigen möchten, bieten die folgenden Veröffentlichungen einen guten Einstieg:
- Transferstelle politische Bildung (2025): Politische Bildung in der (Post-)Migrationsgesellschaft. Ein Überblick.
- Foroutan, N. (2019). Die postmigrantische Gesellschaft. Ein Versprechen der pluralen Demokratie. Bielefeld: transcript Verlag.
- Mecheril, P. (2016). Migrationspädagogik. Weinheim: Beltz Juventa.
Weitere Informationen zum Seminar finden sich im Vorlesungsverzeichnis der Universität Bamberg (UnivIS)
